Berghofer Rover in Zeeland

Erschienen am 6. August 2013 in Leiter

Oliver Rathke

 

Die Rover Sommerlager Story

Unglaublich, aber wahr…am Ende waren wir tatsächlich in Holland, in unserem Sommerlager (SoLa). Nicht zu jedem Zeitpunkt der Planung war mit diesem Ausgang zu rechnen. Doch als quasi „Jung-Leiterrunde“ hätte es sicherlich nicht gerade für uns gesprochen, wenn wir zu Hause hätten bleiben müssen. Wiederum: Gewundert hätte es wohl auch niemanden 🙂

Am Anfang stand die Idee, im Jahr ohne Stammes-SoLa zu verreisen. Inspiriert wurden wir vom letztjährigen Stammes-SoLa-Vortrupp, der bereits einen Tag früher angereist war, um die Zelte aufzubauen. Dieser bestand aus ein paar Rovern und unseren (Beg-)Leitern Svenja und Torben. Dies war wohl der chilligste und entspannteste Abend des gesamten Sommerlagers. So sollte auch unser Roverlager werden: Kein Programm, kein Stress, einfach nur entspannen und Spaß haben…

Das „wie“ war also auch schon einmal geklärt, allerdings war das wohl auch der leichteste Planungspunkt. Das „wo“ war da schon eine ganz andere Geschichte. Denn mit mehr oder weniger großer Beteiligung wurde nach möglichen Zielen gesucht. Oder eben auch nicht.

Mit dem Gedanken im Kopf, dass wir möglichst erfolgreich unser „wie“ verfolgen wollten, sprich den Relax-Faktor möglichst hoch halten wollten, fiel die Wahl am Ende auf das Scoutcentrum in den Niederlanden, in Veere. Denn die Lage direkt am Wasser (Veersemeer) lud doch verlockend zum Sonnenbaden und Schwimmen ein.

Man könnte meinen, dass die Planung doch recht reibungslos verlief, aber zu diesem Stand der Planung war dann auch schon ein halbes Jahr vergangen…

Doch genug von unserer Unfähigkeit der Organisation und Planung, denn auch wir hatten irgendwann die letzten Fragen geklärt und so stand fest: Am 21.6 sollte es mit fünf Rovern, ohne Leiter, in zwei Autos verteilt zu dem 300 km entfernten Scoutcentrum in Veere gehen.

Nach einer reibungslosen Hinfahrt kamen wir nachmittags in Zeeland an und konnten tatsächlich im Trockenen unser Schlafzelt und die Jurte aufbauen. So hatten wir zumindest am ersten Tag Glück mit dem Wetter, denn in den nächsten Tagen bewies sich das Wetter eher als unsichere Konstante und nicht als zuverlässiger Begleiter. Positiv daran war wohl lediglich, dass wir jeden Tag zumindest ein paar sonnige und trockene Momente hatten. Aber leider genauso viele nasse und wolkige Abschnitte. So mussten wir unsere Vorstellung von Entspannung in Form von Sonnenbaden ein wenig ändern. Anstelle von Sonne, Meer und Strand waren es dann mehr Stadtbesuche, Shoppen und Schwimmbadbesuche, die uns die nötige Entspannung lieferten. Aber wer bis 10 Uhr wie ein Stein im Schlafsack liegt, selbst wenn man bis tief in die Nacht Stern-SCHLÜPPIS anschaut (Stern-SCHLÜPPIS sind eine von 4 der Rovern abgeänderte Version der STERNSCHNÜPPIS, die die zahlreichen Sternschnuppen bezeichnen sollten).

Wir mussten Tiere jeglicher Art aus, vom und vor dem Zelt vertreiben. Denn, wenn man durch übermäßige Tierliebe oder durch nicht sicher verstaute Lebensmittel Tiere anlockt, dann muss man sie auch irgendwie wieder los werden.

Nicht nur die unzähligen Nacht-Anekdoten sind legendär („Melina, zieh dir doch bitte deine wasserfesten Schuhe an“; „Flo, wieso gehst du schon wieder auf’s Klo?!“), auch die mehr oder weniger sonnigen Stunden am Tag haben wir von Tag zu Tag mehr als Team verbracht. Denn, anders als in vielen anderen Roverrunden, bedeutet Team diesmal nicht, „toll ein anderer machts“, sondern jeder hilft jedem und alle machen alles gemeinsam. Und man mag es kaum glauben, es hat geklappt, ohne Worte.

Um den Tag und vor allem die Regenstunden gut nutzen zu können, haben wir einfach jeden Tag eingekauft, um uns Fleisch oder andere Gegenstände (anders lassen sich Milch-Würste für die Veggies wohl kaum bezeichnen)

kaufen zu können, die wir grillen konnten. Wir haben alles gegrillt, was ging. Bereits morgens lagen unsere Frühstücksbrötchen auf dem Rost.

Ihr denkt: Nobel geht die Welt zugrunde! Die gehen jeden Tag einkaufen, jeder durfte essen, worauf er oder sie Hunger hatte…bis auf die drei Vegetarier. Aber die haben ihr Los ja schließlich selbst gewählt.

Wir haben uns einfach gedacht, „Aaaaaber Scheiß drauf, Holland ist nur einmal im Jahr!!!“.

Also haben wir munter eingekauft, mehr Jodekoken (holländische Kekse) und weiße Oreos gegessen als wir eigentlich gekonnt hätten und uns von Tag zu Tag mehr auf das Wetter eingestellt.

Wo wir gerade beim Punkt einkaufen sind: Am ersten Tag, als wir aufgebaut und uns eingerichtet haben, hat man kaum gemerkt, dass wir vier Mädels ( Mailina, Maren, Nathalie, Melina) und nur ein armer kleiner Florian waren. Denn trotz der klaren Geschlechteraufteilung: Alle haben die gleichen Aufgaben übernommen. Die Frauen waren stark und wild, wie ein echter Mann.

Flo muss gedacht haben: „Super, da habe ich schon einmal im Leben Urlaub mit vier Frauen und dann beweisen diese so viel Männlichkeit…“.

Pustekuchen: Als das erste Bekleidungsgeschäft betreten war, wurde wieder die volle Weiblichkeit ausgespielt und mit einer unnachahmlichen Ausdauer geshoppt, bis die EC-Karte glühte…

„Schade Schokolade“, hat sich Flo gedacht, kurz überlegt und gedacht, „Scheiß drauf, Holland ist nur einmal im Jahr, ich kaufe einfach genau so viel wie die Mädels“.

Nach solchen ausgiebigen und erschöpfenden Shopping-Touren ließen wir den Abend meist gemütlich mit einer Runde Kubb ausklingen.

Dabei kam der Spaß nie zu kurz, doch einige Mannschaftseinteilungen brachte selbst die Verlierer zum Lachen: Flo und Melina gegen den Rest der Welt (Maili, Maren und Nathalie). Der Rest der Welt voll bei der Sache, Flo und Melina eher in ihre Gespräche vertieft.

So war es nicht einmal unmöglich, die schon ausgeschiedenen Hölzer sang und klanglos einfach wieder aufzustellen. Doch das Glück ist mit die Doofen: Der Rest der Welt musste sich trotz unfairer Mittel der grandiosen Wurfkünste der Quasselstrippen beugen.

Um den Abend schön, gemütlich und entspannt ausklingen lassen zu können, haben wir einfach jeden Abend das Feuer von der heißen Seite angemacht und gegrillt und gegrillt und gegrillt…

Die Nicht-Vegetarier haben sich jeden Abend ein schönes Stück Fleisch gegönnt, der Rest der Welt hat sich Fleischersatz aus Milch, Brot oder Champingpongs gegrillt.

Nach unseren Grillorgien haben wir meist gemütlich am Lagerfeuer gesessen, singend oder quatschend, bevor dann die ein oder andere Bett-Party mit Black Stories gestartet wurde.

Da wir ja Rover sind und, wie wir ja wissen, Holland nur einmal im Jahr ist,  haben wir abends am Feuer auch das ein oder andere Pils-Bier getrunken, denn anders als gedacht, kann man mit dem für uns sehr günstigen Dosenbier doch sehr gut leben. Aber wir sind gute Rover, es gab kein Bier vor vier !!!

Melina kam kurz bevor wir nach Holland aufgebrochen sind aus ihrem Mallorca-Urlaub wieder. Dank ihres großen Mitteilungsbedürfnisses kannten wir nach einem halben Tag leider schon die ein oder anderen Ballermannlieder. Mehr oder weniger freiwillig wurden wir (und der restliche Zeltplatz) dann auch über eine Box mit dieser wunderbar eindringlichen „Musik“ beschallt.

Da es auf diesem Pfadfinderzeltplatz keinen Strom am Zelt gibt, sondern nur eine Steckdose an den Toiletten/Duschen, mussten wir mehrere Klo-Parties veranstalten, um weiterhin der „Schwarzen Natascha“ aus Melinas Box lauschen zu können. Nebenbei luden wir unsere Handys und Flo bespaßte uns mit, wie alle fanden, angenehmerer Gitarrenmusik.

Diese Musik-Klo-Parties veranstalteten wir so oft, wie der Akku der Handys und natürlich der Box durchhielt.

Auch wenn sich anfangs alle vier gegen Melinas Ballermannmusik gesträubt haben, wurden Lieder wie „Schwarze Natascha“, „Ich glaub, es geht schon wieder los“ und „Heute fährt die 18 bis nach Istanbul“ immer beliebter und konnten zuletzt sogar mitgesungen werden.

Somit kann man sagen, dass wir uns trotz wechselhaften Wetters und anfangs doch fraglich kleiner Gruppengröße und -konstellation eine unbeschreiblich schöne Zeit gemacht haben.

Wir haben uns jeden Tag an unser Lagermotto erinnert -ja genau, ihr wisst schon- „Scheiß drauf, Holland ist nur einmal im Jahr“ und haben aus jedem Tag einen unvergesslichen gemacht. Auch wenn es uns keiner zugetraut hätte und wir bis zuletzt vielleicht auch nicht ganz dran geglaubt haben: Es hat funktioniert! Wir haben uns selbst organisiert, alles selbst geregelt, alles eingepackt, alles auf- und abgebaut, gegessen, getrunken, Spaß gehabt, gemeinsam gelacht, bis der Muskelkater im Bauch zu spüren war, keinen Ärger gemacht und quasi nie angeeckt.

Wir waren eine Gruppe, haben vieles zusammen gemacht und doch hatte jeder Zeit für sich: Die einen suchen Sumpfkühe, die durch den Fluss spaziert sind und Lärm machen, andere sammeln Katzen ein, um was zu kuscheln zu haben, der nächste baut alleine eine riesen Lagerbaute, der nächste geht nachts mit den wasserfesten Crocks zum Klo und wacht in fremden T-Shirts auf, und der letzte rennt los um alleine die Klos zu putzen.

Insgesamt ein gelungenes Sommerlager. Wir würden es wohl alle genau so wieder tun. Aber wie wir ja spätestens jetzt, am Ende dieses Berichtes wissen, ist Holland nur einmal im Jahr und im nächsten Jahr steht ja auch schon wieder ein Stammeslager an, in dem wir uns dann vielleicht wieder als Vortrupp zur Verfügung stellen, um einen kinderfreien und entspannten Abend genießen zu können, aus dem im letzten Jahr die Idee zu unserem unvergesslichen Roverlager entstanden ist.

 

 

 Euer Florian W.

 

 

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